Die Ursulinen in Bruneck

Der Gründung eines Ursulinenklosters  in Bruneck gehen zähe Verhandlungen mit dem Stadtrat voraus. Diese befürchten durch ein Frauenkloster mit Schule finanzielle Belastungen. Der Stadtdekan von Payrsberg und Adelige der Stadt hingegen befürworten eine Niederlassung zum Unterricht der Mädchen. Die Schwestern versprechen, die Volksschulmädchen von Bruneck und Stegen unentgeltlich zu unterrichten und auch den Pensionspreis für die internen Schülerinnen erschwinglich zu halten.

Schließlich erteilt der Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl die Erlaubnis und stellt den Ursulinen die Neukirche und den angrenzenden Ballplatz zur Verfügung. Die drei ersten Schwestern mit Sr. Christina von Peisser an der Spitze finden bei ihrer Ankunft im August 1741 zunächst Unterkunft im Palais Sternbach. Die Baronin stellt weitere Räume im Parterre zur Verfügung, damit die Schwestern sofort mit dem Unterricht für Mädchen beginnen können.

Im Frühjahr 1745 beziehen sie das neuerrichtete Gebäude bei der Neukirche und können nun den Unterricht für die Mädchenvolksschule und für die interne Schule ausweiten. 1760 ist auch der Klosterbau am Graben errichtet; am Fest des hl. Aloisius (21. Juni) zieht die Oberin Sr. Christina von Peisser mit 17 Schwestern in das neue Kloster ein. Weil die Räumlichkeiten für die Schule und das Internat zu klein und eng sind, wird 1908/09 das Schulhaus errichtet.

Die Zahl der internen Schülerinnen, „Pensionärinnen“ oder „Kostgeherinnen“ genannt, schwankt je nach der politischen Lage: in Kriegszeiten sind es nur wenige, und das bedeutet auch für den Konvent wirtschaftliche Not.

In der internen Schule, der späteren Hauswirtschaftlichen Schule, auch  „Bürgerschule“ genannt, liegt der Schwerpunkt auf der religiösen Bildung, auf den hauswirtschaftlichen Fächern und dem Sprachunterricht (Deutsch, Italienisch, Französisch).

Die Führung der Mädchenvolksschule liegt bis zur Zeit des Faschismus beim Kloster; 1925 wird sie staatlich, die Schülerinnen bleiben aber – weiterhin – bis 1963 in den gewohnten Räumlichkeiten.

Nach dem 2. Weltkrieg sind zum Wiederaufbau der deutschen Schulen im Pustertal die staatliche Mittelschule und das Gymnasium – zum Teil sehr notdürftig – in Räumen des Klostergebäudes untergebracht, bis nach und nach eigene Schulen errichtet werden. Derzeit hat das Sozialwissenschaftliche Gymnasium seinen Sitz im Schulgebäude.

Zum Ursulinenkloster gehören das Mädchenheim und das Schülerheim in der Schulzone mit rund 200 Ober- und BerufsschülerInnen und die staatlich gleichgestellte Mittelschule mit 132 SchülerInnen und dem Tagesheim.

Unsere Gemeinschaft

Als eine Gemeinschaft von Frauen, die nach dem Vorbild der heiligen Angela Merici in der Nachfolge Jesu leben, wollen wir nach dem Maß unserer Möglichkeiten offen sein für die Fragen und Anliegen der Menschen, mit denen wir unterwegs sind. Unsere Kraftquellen sind das gemeinsame und persönliche Gebet, das Leben in Gemeinschaft und unsere Aufgaben.

 

Gebet

Gott, du mein Herr,
du hast mich angerührt
und das Licht deiner Wahrheit
in mein Herz gesenkt,
die sich nach dir ausstreckt,
wo immer ich mich befinde:
mitten im Alltag
und auf dem Fest,
in der Begegnung
und in der Arbeit,
im Straßenverkehr
und in der Stille einer Kirche,
im gemeinsamen Leben
und hinter der geschlossenen
Tür meines Zimmers.
Herr,
gib mir ein hörendes Herz.
Lass mich wachsam sein
mit weitem und sehnsüchtigem Herzen,
um das leise Wehen
deines Geistes zu vernehmen.